Futtermittelallergie beim Hund – Teil II

Dieser Beitrag ist ein Gastartikel von Anja Kruse.

Anja Kruse hat in Hannover und Gent Tiermedizin studiert und arbeitet seither als Tierärztin im Kleintierbereich. Einen Großteil davon hat sie in der Kleintierklinik der Tierärztlichen Hochschule Hannover vor allem im Bereich der Inneren Medizin und Onkologie gearbeitet. Ihr besonderer Fokus liegt dabei seit Ihrem Studium auf die Ernährung des Hundes. 

Seit Anfang 2019 bietet sie mit Deutschlands erster Online Tierarztpraxis (https://www.vet-dogs.de), Hundehaltern die Möglichkeit schnell und unkompliziert tierärztliche Hilfe zu erhalten. Weiter haben Hundebesitzer die Möglichkeit eine Ernährungsberatung in Anspruch nehmen zu können.

DIE FUTTERMITTELALLERGIE BEIM HUND - WAS TUN?

Ich freue mich, dass du dich auch für den zweiten Artikel zum Thema „Futtermittelallergie beim Hund“ interessierst.

Im ersten Teil habe ich dir bereits gezeigt, wie sich eine Futtermittelallergie äußert, wie sie entsteht und was im Hundekörper passiert. Nun möchte ich dir gerne erklären, wie man eine Futtermittelallergie diagnostiziert, wie diese behandelt wird und wie du deinem Hund somit hilfst.

LEIDER GIBT ES KEINEN TEST, DER EINEM SAGT „DEIN HUND LEIDET AN EINER ALLERGIE“

Wie schon im ersten Teil beschrieben, leiden die allermeisten Hunde mit einer Allergie vor allem unter Juckreiz, der manchmal gepaart ist mit Magen-Darm-Problemen, wie Durchfall. Da es jedoch auch andere Krankheiten gibt die Juckreiz und Co. auslösen können, müssen im ersten Schritt alle anderen Krankheiten, wie Milben, Pilze, Parasiten oder Autoimmunerkrankungen ausgeschlossen werden.
Wenn diese Untersuchungen negativ ausfallen und man sich relativ sicher ist, dass der Hund unter einer Allergie leidet, begibt man sich auf die Suche nach der entsprechenden Allergie-Art.

Wie beschrieben gibt es drei verschiedene Allergie-Arten: die Flohspeichelallergie, die Futtermittelallergie und die Umweltallergie. Da die Symptome, die der Hund zeigt, theoretisch auf jede dieser Allergie-Arten zutreffen kann, muss man sich leider mittels einer „Ausschlussdiagnostik“ auf die Suche begeben.

Das bedeutet nichts anderes als das man in ersten Schritt eine Flohspeichelallergie ausschließen möchte, indem man dem Hund eine Flohprophylaxe verabreicht.

Bleibt der Juckreiz weiterhin bestehen, leidet der Hund wahrscheinlich nicht unter einer Flohspeichelallergie und man versucht herauszufinden, ob er an einer Futtermittelallergie leidet. Wenn auch das negativ ausfällt, liegt der Verdacht sehr nahe, dass der Hund unter einer Umweltallergie leidet.

Du siehst also, so einer Allergiediagnostik kann recht langwierig sein und manchmal auch sehr kräftezerrend.

Aber in jedem Fall lohnt es sich dran zu bleiben und die richtigen Auslöser zu finden. Denn wir alle wissen, wie schlimm permanenter Juckreiz sein kann und unseren Hunden geht es da nicht anders als uns.

EIN ALLERGIETEST LIEFERT LEIDER KEINE SICHEREN ANTWORTEN OB EINE ALLERGIE VORLIEGT

Immer wieder werde ich gefragt, warum man beim Hund nicht einfach einen Allergietest machen kann.
Das Problem bei den Allergietests ist, dass sie lediglich die Höhe einer bestimmten Antikörperart messen (IgE).
Das Vorhandensein dieser besagt aber lediglich, dass der Körper irgendwann mal Kontakt mit diesem Stoff hatte und entsprechend Antikörper gebildet hat. Das heißt aber noch lange nicht das der Hund auch eine Allergie gegen diesen Stoff entwickelt hat. Deshalb bedeutet ein positives Ergebnis nicht automatisch, dass der Hund auch wirklich eine Allergie gegen diesen bestimmten Stoff hat.

Dennoch macht ein Allergietest in manchen Situationen Sinn.

Einige Tierarztpraxen nutzen den Allergietest um herauszufinden, wogegen der Hund höchstwahrscheinlich NICHT allergisch ist. In diesem Fall geht man von einer Zuverlässigkeit von ca. 70-80% aus. Den Test kann man z. B. nutzen, wenn man einen Hund aus dem Tierschutz hat und einfach nicht weiß, welche Lebensmittel er bisher schon gefressen hat. Man könnte dann die negativen Ergebnisse für eine Ausschlussdiät heranziehen.

Grundsätzlich ist aber die Ausschlussdiät die beste Möglichkeit eine Futtermittelallergie zu diagnostizieren! Ein zweiter Grund ist das Vorliegen einer Umweltallergie. Die Ergebnisse des Allergietests können dann für eine Desensibilisierung des Hundes herangezogen werden.

DURCHHALTEN BEI DER AUSSCHLUSSDIÄT

Wie schon oben geschrieben, stellt die Ausschlussdiät (auch Eliminationsdiät genannt) die beste Möglichkeit dar eine Futtermittelallergie nachzuweisen.

Bei einer Ausschlussdiät füttert man dem Hund eine Kohlenhydratquelle (z.B. Hirse) und eine Eiweißquelle (z.B. Pferd) die der Hund bisher noch nie gefressen hat.

Denn wie ich dir im ersten Teil schon gezeigt habe, kann sich eine Allergie erst dann entwickeln wenn der Hund mindestens zweimal Kontakt mit ein und demselben Lebensmittel hatte.

Aus diesem Grund sollten gesunde Hunde auch nicht alle verfügbaren Tierarten zu fressen bekommen.

Es wird im Falle einer Futtermittelallergie wirklich schwierig werden, noch eine unbekannte Fleischsorte auszuwählen, wenn der Hund bereits Pferd, Känguru, Strauß, Rentier und Co. kennt.

Im Prinzip klingt die Durchführung einer Eliminationsdiät ganz einfach: Über 6-12 Wochen ausschließlich eine unbekannte Kohlenhydrat- und eine unbekannte Eiweißquelle füttern. Aber das bedeutet auch, der Hund darf in dieser Zeit nichts anderes fressen!

Keine Leckerli (außer sie bestehen aus den gewählten Komponenten), keine Öle, keine Zusatzmittel, nichts von Tisch oder von unterwegs… und das kann manchmal sehr anstrengend sein, gerade wenn man so einen „futterliebenden“ Hund hat wie ich.

Das Gute bei der Ausschlussdiät ist aber, dass sich die Allergie-Anzeichen, wie Juckreiz oder Durchfall etc. schnell bessern, wenn der Hund tatsächlich unter einer Futtermittelallergie leidet.

So ist die Ausschlussdiät nicht nur Diagnosemittel der Wahl, sondern auch gleichzeitig ihre Behandlung. So würde man bei einer deutlichen Verbesserung bzw. beim Verschwinden der Allergie-Anzeichen, die „Ausschlussdiät“ beibehalten und Schritt-für-Schritt ergänzen, sodass sie bedarfsgerecht für den Hund ist.

WAS IST WENN SICH DIE ALLERGIE-ANZEICHEN, WIE JUCKREIZ NICHT VERBESSERN?

Sofern du die Ausschlussdiät konsequent durchgeführt hast und keine anderen Krankheiten vorliegen, leidet dein Hund aller Wahrscheinlichkeit nicht an einer Futtermittelallergie.

Kommt es im Zuge der Ausschlussdiät zu einer leichten Verbesserung liegt die Vermutung nahe, dass der Hund noch von einer weiteren Allergie-Art betroffen ist. Leider tritt bei vielen allergischen Hunden nicht nur eine Allergie auf, sondern meistens mehrere zusammen, z. B. Eine Flohspeichel- und Futtermittelallergie.

AUSSCHLUSSDIÄT MIT EINEM FERTIGFUTTER

Mittlerweile gibt es zahlreiche Fertigfutter, die als Allergikerfutter angeboten werden. Dabei muss man zwei verschiedene Arten unterscheiden: eine hydrolisierte Diät und ein Allergikerfutter z. B. mit nur einer Eiweißquelle.

Bei einer hydrolisierten Diät handelt es sich um ein Futtermittel, bei dem die Eiweiße so stark zerkleinert (hydrolisert) sind, dass sie vom Immunsystem nicht mehr erkannt werden. Denn die allergieauslösenden Stoffe (auch Allergene genannt) brauchen eine Mindestgröße, damit das Immunsystem sie überhaupt erkennt. Leider gibt es dennoch einige, wenn auch wenige Hunde, die allergisch auf diese hydrolisierten Diäten reagieren. Deshalb sollte man in diesen Fällen immer nochmal eine Ausschlussdiät machen um wirklich sicherzugehen, dass keine Futtermittelallergie vorliegt.

Daneben gibt es auch Fertigfutter die nur aus einer bestimmten Eiweißquelle bestehen oder als „hypoallergen“ deklariert werden. Theoretisch ist es auch möglich, solch ein Futter versuchsweise zu füttern. Dabei solltest du dir jedoch ganz genau die Zutatenliste anschauen. Wenn du beispielsweise ein Futter wählst, dass ausschließlich Pferd und Süßkartoffel enthält, sollten auch keine andere tierischen Komponenten enthalten sein. So sollten auch zugefügte Fette etc. ausschließlich vom Pferd sein. Weiter ist es ratsam, darauf zu achten, dass die Zutatenliste kurz ist. Je kürzer die Liste, je weniger Inhaltsstoffe hat das Futter und der Hund kann somit gegen weniger Bestandteile allergisch reagieren.

Außerdem sollte der Hersteller natürlich alle Komponenten offen darlegen. Ein Futter, auf dem nur steht „Fleisch (Lamm mindestens 4%)“ solltest du mit einem Allergikerhund besser meiden.

EINE ERNÄHRUNGSUMSTELLUNG IST DAS A UND O

Du siehst also, eine Allergie-Abklärung ist meistens ein längerer Weg, der mit Sicherheit auch nicht immer ganz leicht ist. Dennoch möchte ich, dass du weißt das es sich lohnt dran zu bleiben. Denn wenn man weiß, dass der eigene Hund unter einer Futtermittelallergie leidet, kann man im nächsten Schritt schauen, wogegen er tatsächlich allergisch reagiert.

So baut man sich Schritt-für-Schritt einen individuellen Ernährungsplan zusammen. Und obwohl es keine Behandlung der Futtermittelallergie im eigentlichen Sinne gibt, kann eine Ernährungsumstellung sehr viel bewirken und sogar zu einer kompletten Symptomfreiheit und damit zu deutlich mehr Lebensqualität führen.

Wenn du gerne eine Ausschlussdiät durchführen möchtest und dabei Unterstützung benötigst, helfe ich dir als Tierärztin und Ernährungsexpertin sehr gerne dabei.

Auf meiner Homepage https://www.vet-dogs.de/tieraerztliche-ernaehrungsberatung/ findest du viele weitere Informationen zu meinem Angebot.

 

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