Die Futtermittelallergie beim Hund (Teil I)

Dieser Beitrag ist ein Gastartikel von Anja Kruse.

Anja Kruse hat in Hannover und Gent Tiermedizin studiert und arbeitet seither als Tierärztin im Kleintierbereich. Einen Großteil davon hat sie in der Kleintierklinik der Tierärztlichen Hochschule Hannover vor allem im Bereich der Inneren Medizin und Onkologie gearbeitet. Ihr besonderer Fokus liegt dabei seit Ihrem Studium auf die Ernährung des Hundes. 

Seit Anfang 2019 bietet sie mit Deutschlands erster Online Tierarztpraxis (https://www.vet-dogs.de), Hundehaltern die Möglichkeit schnell und unkompliziert tierärztliche Hilfe zu erhalten. Weiter haben Hundebesitzer die Möglichkeit eine Ernährungsberatung in Anspruch nehmen zu können.

DEIN HUND KRATZT SICH VERMEHRT ODER LEIDET UNTER MAGEN-DARM-PROBLEMEN? DU BIST DIR NICHT SICHER, OB ES SICH EVENTUELL UM EINE FUTTERMITTELALLERGIE HANDELN KÖNNTE? DANN LIES UNBEDINGT WEITER.

Gerade Futtermittelallergien und Futtermittelunverträglichkeiten stellen einen der häufigsten Gründe dar, warum man den Tierarzt aufsucht.

Wenn der Hund sich juckt, beißt und eventuell auch noch mit Durchfall zu tun hat, könnte es sich tatsächlich um eine Futtermittelallergie handeln.

Man geht davon aus, dass ungefähr 1-2 % aller Hunde unter einer Allergie leiden. Und insgesamt sind ca. 10-15 % der allergischen Hautkrankheiten auf eine Futtermittelallergie zurückzuführen.

Häufig hat man jedoch das Gefühl, dass weitaus mehr Hunde von Futtermittelallergien betroffen sind, das liegt daran, dass die Begriffe Futtermitellallergie und Futtermittelunverträglichkeit häufig synonym benutzt werden. Ich werde dir den Unterschied gleich noch erklären.

MAN UNTERSCHEIDET 3 VERSCHIEDENE ALLERGIE-TYPEN

Grundsätzlich unterscheidet man beim Hund drei verschiedenen Arten einer Allergie.

  • Die Flohspeichelallergie
  • Die Futtermittelallergie
  • Die Umweltallergie (auch atopische Dermatitis genannt)

Bei einer Flohspeichelallergie reagiert der Hund allergisch auf den Speichel des Flohs. Diese Allergieart ist tatsächlich auch die häufigste Allergieart.

Bei der Futtermittelallergie kommt es durch den Kontakt mit bestimmten Proteinen aus den Lebensmitteln zu einer Allergie und bei einer Umweltallergie reagiert der Hund , wie der Name schon sagt, allergisch auf bestimmte Stoffe seiner Umwelt. Dies können z. B. Pollen, Schimmelpilze oder Hausstaubmilben sein. Relativ häufig leiden betroffene Hunde sogar unter mehreren Allergien gleichzeitig, was die Diagnose und Behandlung nicht immer ganz einfach macht.

Allen Allergie-Arten gemeinsam ist der Juckreiz. Er ist das Leit-Symptom überhaupt und tritt bei über 60% aller betroffenen Hunde auf. Hunde, die unter einer Allergie leiden (egal welcher Typ) kratzen, schlecken oder benagen sich und zum Teil leider auch sehr massiv. Die häufigsten Körperstellen, die vom Juckreiz betroffen sind, habe ich hier aufgelistet:

  • Gesamter Kopfbereich
  • Pfoten
  • Achseln und Leistengegend
  • Bauchbereich

Daneben können Durchfall (vor allem schleimiger Durchfall), Erbrechen, Blähungen oder andere Magen-Darm-Probleme auftreten. Diese Anzeichen treten vor allem bei einer Futtermittelallergie auf.

FUTTERMITTELALLERGIE VS. FUTTERMITTELUNVERTRÄGLICHKEIT

Bei einer „echten“ Allergie handelt es sich immer um einen immunologischen Prozess. Das bedeutet, dass der Körper in diesem Fall übermäßig heftig auf eigentlich harmlose Stoffe reagiert. Man nennt das auch eine „überschießende Reaktion“.

Du musst Dir das so vorstellen, dass das Immunsystem unserer Hunde ständig damit beschäftigt ist mögliche Krankheitserreger zu vernichten. Und so werden alle fremden Stoffe die über den Magen-Darm-Trakt, über die Haut oder Nase aufgenommen werden, geprüft. Stellt der Körper fest, dass es sich um einen potenziellen Krankheitserreger handelt, wird das Immunsystem aktiviert und der entsprechende Erreger bekämpft. Manchmal kann es jedoch passieren, dass das Immunsystem nicht richtig unterscheidet zwischen einem harmlosen und einem potenziell gefährlichen Stoff und in Folge dessen das Immunsystem gegen zum Beispiel tierische Proteine mobilisiert. Die Folge sind dann beispielsweise Juckreiz und Magen-Darm-Probleme.

Bei einer Futtermittelunverträglichkeit hingegen ist das Immunsystem nicht beteiligt. Der Hund verträgt lediglich das gefütterte Futtermittel nicht und reagiert deshalb mit Magen-Darm-Problemen, wie Durchfall oder Erbrechen.

Es handelt sich also eher um eine Störung der Nahrungsaufnahme, du kennst das vielleicht als Laktose-Intoleranz bei uns Menschen. Bei der es durch ein fehlendes Enzym zu Schwierigkeiten bei der Verdauung von Milch kommt und Durchfall die Folge ist. Die Behandlung ist jedoch bei beiden Krankheiten gleich. Das Futter was nicht vertragen wird, muss weggelassen werden.

DAMIT EINE ALLERGIE ENTSTEHT, MÜSSEN MEHRERE FAKTOREN ZUSAMMENKOMMEN

Damit eine Allergie entstehet, müssen immer mehrere Faktoren gegeben sein. Denn es handelt sich hierbei um eine komplexe Erkrankung. Auch eine genetische Komponente wird diskutiert.

Voraussetzung das eine Allergie überhaupt entstehen kann, ist der wiederholte Kontakt mit diesem bestimmten Stoff. Durch den ersten Kontakt kommt es zu einer Sensibilisierung des Immunsystems. Der Körper speichert diesen Stoff quasi in seinem Gedächtnis ab. Kommt es nun zu einem erneuten Kontakt (dazwischen können sogar Jahre liegen) erinnert sich das Immunsystem an diesen Stoff und aktiviert seine Abwehrmechanismen.

Wichtig ist also wirklich zu wissen, dass der Hund immer mindestens zweimal Kontakt mit einem Lebensmittel haben muss, damit sich eine Allergie bilden kann. Dieses Wissen macht man sich in der Behandlung zu eigen. 

Zusätzlich benötigen diese allergieauslösenden Stoffe (auch Allergene genannt) eine bestimmte Größe damit sie überhaupt vom Immunsystem überhaupt als fremd erkannt werden können.

Und die schützende Darmschleimhaut muss eine Art Störung aufweisen, die es den allergieauslösenden Stoffen ermöglicht die Darmwand zu passieren. Normalerweise bilden die Darmzellen eine Art Schutzwall und es können nur durch die Verdauung stark zerkleinerte Nahrungsbestandteile vom Körper aufgenommen werden (z. B. Aminosäuren). Ist nun z. B. durch eine Darmentzündungen oder Parasiten die Abwehr geschwächt, gelangen die allergieauslösenden Stoffe vom Darm in das Blutsystem und werden dort vom Immunsystem unter die Lupe genommen.  Das bedeutet zwar nicht, dass bei jeder Magen-Darm-Erkrankung auch gleich eine Allergie entstehen muss aber um dieser Gefahr vorzubeugen, empfiehlt es sich, einen Hund mit akutem (blutigem)  Durchfall für 24 Stunden fasten zu lassen.

VOR ALLEM EIWEIßE LÖSEN EINE ALLERGIE AUS

Die häufigsten allergieauslösenden Stoffe (Allergene) sind pflanzliche und tierische  Eiweißbestandteile. In einer Münchener Studie wurden die häufigsten allergieauslösenden Stoffe (Eiweiße) ermittelt. Nach Häufigkeit sortiert, liste ich dir die ersten sechs auf:

  • Rind
  • Getreide
  • Reis
  • Huhn
  • Milch
  • Lamm

Zusammengefasst kann man sagen, dass die allermeisten Allergien durch Eiweiße ausgelöst werden. Kohlenhydrate, Fette und Zusatzstoffe spielen eine eher untergeordnete Rolle.

Auch wenn man häufiger mal liest, dass bestimmte Zusatzstoffe eine Allergie auslösen, ist dieses Risiko eher gering. Denn die meisten Zusatzstoffe sind de facto einfach zu klein um überhaupt vom Immunsystem erkannt zu werden.

Ich hoffe mein Artikel zur Futtermittelallergie hat dir gefallen. In meinem zweiten Artikel geht es dann vorrangig um die Diagnosenstellung und die Behandlung von Futtermittelallergien. Dort zeige ich dir auch wie du deinen Hund optimal unterstützen kannst.

DEIN HUND LEIDET UNTER EINER FUTTERMITTELALLERGIE ODER DU HAST DAS GEFÜHL, DASS ES EINE SEIN KÖNNTE?

Auf www.vet-dogs.de findest du weitere hilfreiche Tipps und Informationen rund um die Hundegesundheit und Ernährung deines Hundes.

Gerne helfe ich dir als Tierärztin auch persönlich dabei die geeignete Ernährung für Deinen Hund zu finden. Und das Beste? Die Ernährungsberatung ist komplett online möglich. Neugierig geworden? Dann schau unbedingt auf meiner Homepage vorbei: https://www.vet-dogs.de/tieraerztliche-ernaehrungsberatung/

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