Ohne?! Was kann, soll, muss oder auch nicht ins Trockenfutter?

Ein Interview mit Tierarzt Alexander Heere

Ihr habt uns viele Fragen zum Thema Hundefutter und Trockenfutter gestellt. Um diese so gut wie möglich zu beantworten, haben wir einen Experten befragt.
Der Tierarzt Herr Alexander Heere war so freundlich mit uns ein Interview durchzuführen. Wir haben dieses Interview für euch in diesem Artikel zusammengefasst.

Das ganze Interview könnt ihr euch im Video unten anschauen.

Hundefutter Fisch

Thema: Allergien und Unverträglichkeiten bei Hunden

Cathrin von Tales&Tails: Gibt es viele Produkte gegen die Hunde allergisch sind?

Alexander Heere: Es muss unterschieden werden, ob es sich um eine Unverträglichkeit oder eine Allergie handelt. Eine Unverträglichkeit ist, wenn das Immunsystem nicht mit inbegriffen ist. Das heißt ich esse etwas das vertrage ich nicht gut, weil ich es nicht verwerten kann.

Das ist keine echte Allergie. Bei einer echten Allergie ist es immer so, dass das Immunsystem aktiv wird. Das müssen wir unterscheiden.

Wir haben vermehrt Probleme mit Futtermitteln. Mit Bestandteilen in den Futtermitteln.

Ich habe bei einem Labor nachgefragt welche Produkte und welche Eiweiße hauptsächlich Probleme bereiten. Man hat festgestellt Platz 1 ist das Rindfleisch. Ca. 80% aller Hunde, die eine Unverträglichkeit oder sogar eine Allergie haben, haben Probleme mit Rindfleisch. Dicht gefolgt vom Lammfleisch, leider auch irgendwann das Pferdefleisch.

Das Problem ist hier, man hat festgestellt, dass Rindfleisch Probleme bereitet. Dann sind die Leute auf Pferdefleisch umgestiegen. Da die Nachfrage hier gestiegen ist, haben die Hersteller vermehrt Produkte mit Pferdefleisch angeboten.

Dadurch, dass es so viel angeboten wurde, haben wir kein Protein mehr auf das wir ausweichen können.

Letztendlich ist es so, dass man es bei einer sogenannten Ausschlussdiät ausprobieren muss.

Thema: Getreide im Hundefutter

Cathrin: Viele möchten im Futter kein Getreide haben? Wie sieht es damit aus? Sollte im Hundefutter kein Getreide sein?

Alexander Heere: Auch hier muss man schauen, ob es eine Unverträglichkeit gibt oder eine echte Allergie. Es gibt weltweit keinen Fall, der beweist, dass Hunde Zöliakie bekommen können. Theoretisch kann ein Tier gegen Weizenprotein allergisch sein. Die Allergie gegen bestimmte Fleischsorten ist aber deutlich größer.

Es wird oft argumentiert, dass eine Fütterung mit Getreide nicht artgerecht ist, da Wölfe ja auch kein Brot essen. Das ist ein Argument was nicht zu 100% zählen kann. Der Wolf und der Hund haben sich vor ca. 20.000 Jahre getrennt. Der Wolf wurde so ernährt bzw. erzogen, dass man angefangen hat den anzufüttern und ihm Lebensmittelreste zu geben.  Der Wolf bzw. dann irgendwann der Hund hat angefangen sich an unsere Ernährung anzupassen.

Der Darm musste sich darauf einstellen, dass er Stärke spalten kann. Der Wolf kann keine Stärke abbauen, also kann es der Hund auch nicht. Es gibt aber einen Bericht, der nachweist, dass der Hund in der Lage ist, Stärke aufzuspalten. Das kann der Wolf nicht. Der Hund musste das einfach, weil diese Nahrung zur Verfügung stand.

Wenn man daraus nun schließt, Ernährung mit Getreide ist unnatürlich, dann stimmt das so direkt nicht, denn zu Hause haben wir Hunde und keine Wölfe.

Das andere Problem ist, dass der Weizen kurzkettige Moleküle hat woraus irgendwann Glukose wird. Das heißt, wenn der Hund von uns ein Brot bekommt, dann verwertet er das zu Zucker. Diese Zucker sorgen dafür, dass der Insulinspiegel hoch geht. Die Tiere fangen daraufhin an zu unterzuckern und bekommen Heißhunger. Sie fressen mehr. Das ist der Effekt, der bei Menschen und Tieren gleichermaßen passiert.

Eine Weizenunverträglichkeit ist nicht immer das richtige Argument. Es geht eher um das Problem für übergewichtige Hunde. Hier sollte man eine andere Kohlenhydratquelle nehmen, die nicht so schnell aufgespalten wird.

Hundefutter Getreidefrei

Thema: Zucker im Hundefutter

Cathrin: Sollte jedes Futter zuckerfrei sein?

Alexander Heere: Es ist so, dass Zucker nicht unbedingt zugesetzt wird, damit Hunde oder Katzen das Futter lieber mögen, sondern oft ist es, dass es aus technischen Gründen eingesetzt wird. Bei Feuchtfutter zum Beispiel ist es oft so, dass man ansonsten zwei Komponenten hätte – die Fleischstückchen und die Soße. Der Zucker bindet die Produkte und macht es für die Produktion einfacher, damit das Produkt besser aussieht. Es ist eigentlich ein unbeliebtes Nebenprodukt.

Grundsätzliches Problem zu viel Zucker hat Folgeerscheinungen Diabetes, Übergewicht und so weiter. Deswegen grundsätzlich möglichst zuckerfrei!

Thema: Tierische und pflanzliche Nebenerzeugnisse

Cathrin: Zum Thema tierische und pflanzliche Nebenerzeugnisse – was genau bedeutet das? Was muss man sich darunter vorstellen?

Alexander Heere: Tierische Nebenerzeugnisse – das ist alles was auf dem Schlachthof produziert wird, aber Menschen nicht gern essen möchten. Zum Beispiel Lunge, Niere usw. Es dürfen keine kranken oder verendeten Tiere sein. Theoretisch könnten Menschen diese Nebenerzeugnisse aber auch ohne Probleme essen.

Pflanzliche Nebenprodukte ist alles was bei der Herstellung anfällt, das können z.B. auch Erdnussschalen sein. Das ist von der Qualität nicht unbedingt hochwertig, aber es sind Zellstrukturen, die auch mehr oder weniger verwertet werden können.

Thema: Kräuter im Hundefutter

Cathrin: Sind Kräuter wichtig für Hunde? Sollten diese im Futter sein?

Alexander Heere: Hier stellt sich zunächst die Frage was man genau unter Kräutern versteht. Es gibt sogenannte Heilkräuter, die können an sich ruhig im Futter sein in bestimmten Mengen. Aber auch hier muss geguckt werden, ob es eine Unverträglichkeit gibt. Das ist das Problem mit vielen Allergien. Wir wissen kaum woher die Allergien kommen und warum es immer mehr werden. Es gibt 1000 Theorien und wir merken auch, dass es immer mehr Kreuzreaktionen gibt.

Bei den Tieren wissen wir aus Erfahrung, dass es auch Allergien gegen Pollen oder Gräser geben kann. Daher wäre ich vorsichtig bei der Gabe von verschiedenen Kräutern.

Thema: Mais, Reis, Soja und Kartoffel im Hundefutter

Cathrin: Sollte Mais, Reis oder Soja im Futter sein oder besser nicht? Wo liegen die Unterschiede zwischen diesen Komponenten?

Alexander Heere: Reis ist etwas wo ich nicht direkt sagen kann, dass etwas dagegenspricht. Es gibt bisher meines Wissens noch keine Allergien gegen Reis. Es gibt einen Allergietest, der oft positiv ist auf Reis, aber witzigerweise kann man diesen Tieren Reis füttern ohne dass es Probleme gibt. Soja ist uns etwas fremd. Dort gibt es auch im menschlichen Bereich das Problem, dass es viele Allergien gegen Soja gibt. Und es gibt natürlich auch Vorbehalte gegen Mais und Soja bezüglich Genmanipulation.

Bei Mais ist es so, dass es zwei Komponenten gibt, die auf das Verhalten des Tieres Einfluss nehmen können. Es gibt sogenannte Katecholamine – das sind Hormone, die das Abwehr- und Aggressionsverhalten steigern. Mais sorgt dafür, dass die Bildung dieser Hormone etwas reduziert wird. Das heißt, wenn ich ein maisreiches Futter gebe, kann es sein, dass das Verhalten meines Hundes entspannter wird.

Andererseits hat Mais einen niedrigen Gehalt an Tryptophan – Grundbaustoff für Serotonin – das Glückshormon. Serotoninmangel kann zu Depression führen. Hat man einen ängstlichen oder gestressten Hund, kann dies zu Problemen führen.

 

Cathrin: Sollte im Futter bestenfalls keine Kartoffel enthalten sein?

Alexander Heere: Es gibt kein direktes Argument gegen Kartoffeln, es sei denn der Hund hat eine Unverträglichkeit oder Allergie. Natürlich enthält Kartoffel Stärke, viel Kartoffel kann viel Stärke und damit viel Kalorien bedeuten, aber solange sie nicht roh gefüttert wird, wüsste ich kein Argument dagegen.

Thema: Verschiedene Proteinquellen im Hundefutter

Cathrin: Ist es wichtig, dass das Futter nur eine Proteinquelle hat?

Alexander Heere: Heutzutage ist das Problem, dass ich nur anhand der Deklaration erkennen kann was drin ist. Wenn das nicht genau aufgeschlüsselt ist wie zum Beispiel mit dem Hinweis tierische Nebenerzeugnisse, weiß ich nicht mehr was genau drin ist. Bei einem Allergiker habe ich das Problem, dass ich dann nicht genau weiß, was drin ist und wogegen er allergisch ist.

Wir haben mit einem Futter mit nur einer Eiweißquelle wie zum Beispiel aus Fisch gute Erfahrungen gemacht. Grad bei Allergikern mit Allergien gegen Rindfleisch funktioniert das gut. Bei allen Tieren bei denen ich glaube, dass es sich um eine Allergie oder Unverträglichkeit handelt, ist es wirklich essentiell, dass ich im Rahmen einer Ausschlussdiät schaue, dass ich nur eine Kohlenhydratquelle und eine Eiweißquelle habe.

Wenn ich ein Produkt mit mehreren Eiweißquellen wie zum Beispiel Huhn, Pferd, Kaninchen usw. drin ist und der Hund reagiert, dann weiß ich nicht worauf genau er reagiert.

Das hat nichts damit zu tun woher das Fleisch kommt, es geht darum, dass der Hund ein Problem mit einem gewissen Eiweiß hat und das muss aus der Nahrung raus. Desto sauberer das Futter ist – also umso weniger verschiedene Proteinquellen drin sind, umso besser kann ich es für die Ernährung dieses Hundes nehmen. Daher ist das besonders für Allergiker geeignet.

Thema: Hefe im Hundefutter

Cathrin: Sollte Hefe im Futter enthalten sein oder besser nicht?

Alexander Heere: Hefe enthält viele Purine – das sind Eiweiße. Es gibt Hunde, die haben Schwierigkeiten diese zu spalten. Wenn ich so einen Hund habe, habe ich das Problem

Vorteil ist aber, dass viel Vitamin B12 enthalten ist. Wenn ich einen Hund habe, der zu dieser Gruppe gehört, dann sollte ich darauf achten, dass keine Hefe enthalten ist.

Cathrin: Was wären Ihre Wünsche an Futtermittelhersteller?

Alexander Heere: Schön wäre, wenn die Deklaration eindeutig wäre. Es gibt die offene und geschlossene Deklaration. Bei einer offenen Deklaration könnten wir besser schauen was genau dem Hund gefüttert werden kann. Bei Hunden, die unter einer Futtermittelunverträglichkeit leiden, können wir sonst nicht gut genug sehen, ob es geeignet ist.

Zum zweiten würde ich mir wünschen, dass nur eine Proteinquelle enthalten ist. So transparent wie möglich wäre wünschenswert.

Wir bedanken uns bei Herrn Alexander Heere für das freundliche Interview und seine Bereitschaft unsere und eure Fragen zu beantworten.

2 Gedanken zu „Ohne?! Was kann, soll, muss oder auch nicht ins Trockenfutter?

  1. Danke, dass war aufschlussreich und sehr interessant.

    1. Sehr gern. Freut uns, dass dir das Interview gefallen hat.

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